Programm


 
Hochschulpolitischen Kongress
des Arbeitskreises
Hochschule und Kultur der CSU,
am 21. Jan.2006 in München
Einführung:
Dr. Ludwig Spaenle,
Vorsitzender des AKH



Bericht aus dem Forum 3:
Bologna und Staatsexamen

Staatsexamen zur Qualitätssicherung erhalten

Einen Studiengang mit dem Staatsexamen abschließen zu lassen bedeutet, dass der Staat die Abschlussaufgaben eines Studiengangs stellt und über eine staatliche Prüfung die Qualität der Ausbildung und der künftigen Tätigkeit sichern will. Da, zum Beispiel bei den Lehrern und Juristen, das Staatsexamen aber gleichzeitig, bei bestimmten erreichten Leistungen, zum Staatsdienst berechtigt, muss es Gleichbehandlung der Bewerber und Fairness beachten, was für ein einstellendes oder abweisendes  Privatunternehmen so nicht gilt. Dazu ist auch ein im jeweiligen Staatsgebiet einheitliches Staatsexamen erforderlich gegenüber einem von Hochschule zu Hochschule variierenden Master-Abschluss. Auch andere Studiengänge, wie die Medizin und Pharmazie, bei denen der Staat nicht als Hauptabnehmer auftritt, sichern traditionell, auch wegen der hohen Bedeutung für das Leben der Menschen, die Qualität mit einem Staatsexamen.

Wer also den Bologna-Prozess, der bis 2010 zu einem Europäischen Bildungsraum ohne Grenzen führen soll, nur formal und vom Bachelor und Master her betrachtet, wird daher nur wenige Chancen zu seiner Umsetzung bei den genannten Studiengängen mit Staatsexamen sehen.

Bei inhaltlicher Betrachtung, wie sie im Forum 3 des Hochschulpolitischen Kongresses beim Arbeitskreis Hochschule und Kultur der CSU, am 21. Jan.2006 im Vordergrund stand, sieht das jedoch differenzierter aus. Nach dem Leitspruch  „Qualität vor Zeit“ ergeben sich nämlich sehr wohl im Lauf der Zeit  in den Bereichen der Medizin, der Jurisprudenz und der Lehrerbildung, insbesondere bei den Philologen, Anwendungen des Bologna-Prozesses ohne die Qualität preiszugeben.

Im europäischen Bildungsraum muss es auch für diese Studiengänge, die mit dem Staatsexamen enden, möglich sein, Studienteile (sog. Module) aus verschiedenen europäischen Hochschulen zusammenzusetzen, Leistungen (dann als sich aufaddierende Leistungspunkte) aus verschiedenen Studienbereichen zu sammeln, aber auch eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu erzielen.

Die beiden Elemente Modularisierung und Begleitende Leistungserfassung des Bologna-Prozesses sind sehr wohl auch zur Verbesserung der Studienorganisation erwünscht. Sie werden daher unter Beibehaltung des Staatsexamens, z.B. bei der Lehrerbildung, wie Ministerialdirigent Siegfried Müller aus dem Kultusministerium darstellte, bereits jetzt allgemein und nicht nur für Modellversuche vorbereitet.  Während der Staat dann nur noch 60% des Staatsexamens bestimmt, gibt er den Hochschulen 40% für eine zum Profil der Hochschule passenden Ausgestaltung frei. Bei den Juristen, so Prof. Dr. Peter M. Huber, Vorsitzender des Deutschen Juristen - Fakultätentages,  wird ab 2004 der Staatsanteil der Ersten Prüfung auf 70 % reduziert. Das bei der dabei neuerdings möglichen Schwerpunktprüfung der Hochschule erzielte Ergebnis geht mit einer Gewichtung von 30 % in die Gesamtnote ein. Es sei nur folgerichtig, dass der Universitätsabschluss in Zukunft nicht mehr „Erste Juristische Staatsprüfung“, sondern „Erste Juristische Prüfung“ heißt.

Außerdem, so hat die Diskussion gezeigt, können neben den traditionellen zum Staatsexamen  führenden Kernstudiengängen in den damit befassten Fakultäten neue Angebote für die steigende Zahl der Studierenden entstehen. Als Beispiel dafür nannte der Abgeordnete Dr. med. Thomas Zimmermann, Sprecher für Hochschulmedizin der CSU-Landtagsfraktion, die Neurobiologie, die nicht in die klassischen Medizinstudiengänge integrierbar sei. Für diese und weitere neue Angebote können allgemein die Abschlüsse Master und Bachelor mit deren neuen Qualitätssicherungen eingeführt werden. So bietet bereits jetzt die Fachhochschule Döpfer den Bachelor of Science in Ergotherapie an; Beispiele für bereits bestehende Masterstudiengänge sind in München Medizintechnik (TU) und Neuro-cognitive-Psychology  (LMU). Zum europäischen Bildungsraum gehört aber auch die Vielfalt Europas und damit auch die Vielfalt der Abschlüsse, soweit sie sich, wie ein landesspezifisches Staatsexamen, nicht vereinheitlichen lassen und dann neben Bachelor und Master treten.

Besonders positiv wurde in der Diskussion bewertet, dass die Modularisierung der Studiengänge eine breite Allgemeinbildung und neue Studienangebote erlaube, die einen neuen gesellschaftlichen Bedarf abdecken können.  Am Beispiel, dass heute immer noch eine Rechtsberatung an die „Befähigung zum Richteramt“ gekoppelt sei, zeige sich, dass parallel zu den Studiengängen auch bremsende Vorschriften zu reformieren sind. Auch eine Marktentlastung könnten neue Bachelor- oder Masterabschlüsse neben dem Staatsexamen anbieten, wenn man etwa bedenkt, dass die ohnehin schon große Zahl der deutschen Anwälte durch zurzeit 100.000 Jurastudenten in den nächsten fünf Jahren verdoppelt werden könnte..

Modularisierung und begleitende Leistungserfassung bringen aber auch mit sich, dass die Leistungspunkte vom ersten Semestern an zählen und das Studienangebot erheblich vielfältiger wird. Zum Bologna-Prozess ist daher dringend eine intensive vorausgehende Beratung in der Oberstufe des Gymnasiums und der beruflichen Oberstufen nötig. Das von Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) erarbeitete Modell BUS müsse daher, so ein Studienberater in der Diskussion, für alle Schüler bald verbindlich in der Oberstufe verankert und in Kooperation mit den Beratern der Hochschulen und der Bundesagentur für Arbeit von den Schulen nach den örtlichen Gegebenheiten ausgestaltet werden.

Während bei der Medizin und der Jurisprudenz der Bologna-Prozess vor allem auf die neuen Studienangeboten außerhalb der klassischen Studiengänge passt, wie z. B. Neuropsychologie bei der Medizin oder Wirtschaftsjura bei der Jurisprudenz, sieht es bei der Lehrerbildung anders aus:
Die fachwissenschaftliche Ausbildung zum Beispiel der Philologen darf nicht, so Max Schmidt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, hinter das Niveau der wissenschaftlichen Ausbildung des früheren Diploms, das nun ein Master wird, zurückfallen. Daher sollten Verbindungen der Lehrerbildung mit Bachelor und Master erprobt werden. Dabei kann, so Ministerialdirigent Siegfried Müller, der Bachelor ohne besonderen Zusatzaufwand im Lauf des Studiums erworben werden, Möglichkeit, das Staatsexamen mit dem Master zu verbinden, müssen jedoch erst noch erprobt werden. Dazu wird in nächster Zeit ein neuer Artikel 19 a in das Lehrerbildungsgesetz eingefügt, der es erlaubt, dass die Hochschulen dazu bis 2010 verschiedene Modelle entwickeln und erproben.

Als Gefahr wurde in der Diskussion gesehen, dass dadurch eine attraktive marktgerechte Ausgestaltung und die Nachfrage nach dem Bachelor behindert werden könnte. Es wäre verhängnisvoll, wenn sich der Bachelor lediglich als „Nicht-Master“ oder „Nicht-Staatsexamen“ einführen würde oder wenn nur diejenigen Studierenden mit Bachelor auf den Markt drängten, deren Noten zu schlecht seien, um das Studium fortzusetzen. Bachelor - Angebote am Rand der klassischen zum Staatsexamen führenden Studiengänge sollten so interessant sein, dass sie nicht zu einem Master oder Staatsexamen fortgesetzt werden müssen. Andernfalls gebe es noch längere Studienzeiten und noch mehr Studierende.

Die Konkurrenz des Masters als Abschluss müssen die Staatsexamen bei freier Wahlmöglichkeit der Studierenden, wie die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, nicht fürchten. Neue Studiengänge, die Modularisierung und die Begleitende Leistungserfassung könnten aber ein Erfolg des Bologna-Prozesses werden.


Werner Honal , Leiter des Forum 3  „Bologna und Staatsexamen“



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